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Zero-Risk Bias: Warum viele Menschen Risiken scheuen

Zero-Risk Bias: Warum viele Menschen Risiken scheuen


02.11.2022


Erfahren Sie in diesem Artikel, warum wir Menschen zum Null-Risiko neigen...

Unsere Neigung zum Null-Risiko wird in der Psychologie Zero-Risk-Bias, also Null-Risiko-Verzerrung, genannt. Warum Verzerrung?

Unser Gehirn ist nicht immer rational, gerade bei der Wahrnehmung von Risiken kommt es zu einer kognitiven Verzerrung: Zero-Risk Bias bedeutet, dass Risiken falsch eingeschätzt werden. So wird lieber ein sehr geringes Risiko komplett eliminiert, als dass eine deutlich größere Bedrohung weniger gefährlich gemacht wird. Wir fixieren uns so sehr auf die Beseitigung von Kleinigkeiten, dass wir es verpassen, das Optimum für die Gesamtsituation herauszuholen.

Die Frankfurter Allgemeine berichtete in einer Serie von typischen Denkfehlern, die uns Geld kosten. Dazu gehört auch der Zero-Risk Bias. Wir haben diesen Artikel für Sie zusammengefasst. Kleines Risiko gefällig?

Was ist der Grund, warum viele ihr Geld auf ein Tagesgeld-Konto parken oder auf das gute alte Sparbuch? Man hat  uns beigebracht, dass unser Geld da “sicher” ist und die meisten Menschen sind auch davon auch überzeugt. Sie vom Gegenteil zu überzeugen, fällt hingegen schwer: Denn oft lohnen sich schon kleine Risiken. Wer zum Beispiel einen Teil seines Geldes in eine Unternehmens-Anleihe oder einen Fonds investiert, kann seine Gesamtrendite oft klar verbessern. Aber hiermit sind Risiken verbunden, der Einsatz könnte zum Teil verloren gehen – davor schrecken die Meisten zurück. Warum?

 

Null Risiko

Selbst kleinste Risiken sind vielen zu groß. Zur Tat schreiten sie erst, wenn es vermeintlich gar kein Risiko gibt. Das gilt nicht nur für Geldfragen, sondern viele Bereiche unseres Lebens.

Einschlägige Untersuchungen zeigen das:  Amerikanische Forscher postierten sich vor einem Einkaufs-Center und “priesen” einen WC-Reiniger an, indem sie die Risiken des Produkts auflisteten: “Von 1000 Verbrauchern verletzten sich 15 durch unsachgemäßen Gebrauch daran.”

Im nächsten Schritt wurden die Kunden befragt, was ihnen ein etwas sicherer Reiniger mehr wert sei – das Ergebnis: Eine Verringerung des Risikos von 15 auf 10 Verbraucher pro 1000 (das sind 5‰) war ihnen 65 Cent wert. Für die nächsten 5‰ wurde nur noch 19 Cent geboten. Aber die letzten 5‰, die das Risiko völlig verschwinden ließen, waren den Kunden deutlich mehr, nämlich weitere 83 Cent wert! Diese Neigung vieler Menschen zum Nullrisiko nennen die Forscher den “Zero-Risk Bias”.


Wahrscheinlichkeitsrechnung liegt uns nicht

Hier sind zwei Dinge wichtig. Erstens: Rechnen in Wahrscheinlichkeiten gehört nicht zu unseren Stärken. Wenn etwas in 50% der Fällen geschieht – das verstehen wir 🙂 Aber schon etwas kompliziertere Fälle – wie im obigen Beispiel – verstehen wir nicht mehr intuitiv.


Abhaken spart Kräfte

Zweitens: Wir machen – einfach gesagt – sparsamen Gebrauch vom Denken. Ist etwas ohne Risiko, kann man es vernachlässigen und zu den Akten legen. Bleibt aber ein gewisses Risiko bestehen, verbleibt auch das Thema. Dies bindet Kräfte. Ist etwas hingegen ohne Risiko, kann man es “gedanklich abschließen”. Deswegen sind wir auf Null-Risiko aus. Aber diesen Idealfall treffen wir im Alltag eigentlich fast nie an.  Ärzte, Berater und Verkäufer sprechen in diesem Fall von “praktisch keinem Risiko“.


Wo liegt die Wahrheit?

Denken Sie dabei an die Lehmann-Zertifikate. Vor der Pleite las man den Satz oben so: “praktisch kein Risiko”. Nach der Pleite so “praktisch kein Risiko” Zertifikate waren nun der Inbegriff des Risikos. Die Wahrheit des Zero-Risk Bias liegt da, wo sie immer liegt: in der Mitte. Wer sich das bewusst macht, hat einen wichtigen Schritt getan.


Zusammenfassung: Zero-Risk Bias

Wir Menschen stehen nicht gerne Restrisiken gegenüber. Wir verstehen sie nicht, sie binden unsere Gedanken, also wollen wir sie loswerden.


Gefahren

Die einen vertrauen daher Scharlatanen, die eine Anlage als risikolos anpreisen, was praktisch nicht vorkommt. Die anderen verlieren viel Geld, um allen möglichen Risiken aus dem Weg zu gehen, sie verzichten eher auf attraktive Renditen.


Die Lösung …

gibt es nicht! Es ist bisher kein einfacher Weg bekannt, mit dem Zero-Risk Bias umzugehen. Wichtig ist: Völlige Sicherheit gibt es nie – der “Kampf” um das Nullrisiko ist aussichtslos. Einem Risiko stehen in der Regel auch Chancen gegenüber. Dafür sollte man sich nicht den Blick versperren lassen.


Quelle: www.faz.net




 


Quellennachweis Foto:
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